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Bewältigung der Herausforderungen bei Garantie- und Schadenersatzansprüchen

Die Fusions- und Übernahmeaktivitäten (M&A) in Europa haben in den letzten Jahren zugenommen, wenngleich sich das Tempo im dritten Quartal 2022 verlangsamt hat.
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Die Fusions- und Übernahmeaktivitäten (M&A) in Europa haben in den letzten Jahren zugenommen, wenngleich sich das Tempo im dritten Quartal 2022 verlangsamt hat. In dieser Zeit verstärkter Aktivitäten haben mehr Unternehmen Garantie- und Haftpflichtversicherungen (Warranty & Indemnity/W&I)) abgeschlossen, um ihr Risiko zu übertragen und Transaktionen zu erleichtern.

Infolgedessen ist die Zahl der W&I-Schadenmeldungen erheblich gestiegen – ein Trend, der sich in den nächsten zwei bis drei Jahren fortsetzen dürfte.

Trotz zunehmender Erfahrung bleibt die Bearbeitung generell schwierig

Die gestiegene Anzahl der Schadenmeldungen hat zu einem besseren Verständnis des W&I-Produkts geführt, sowohl bei den Versicherern als auch bei den Unternehmen und ihren Rechtsberatern. Infolgedessen verlaufen die Schadenprozesse im Allgemeinen schneller und reibungsloser als noch vor 5 bis 10 Jahren. Der Global Transactional Risk Claims Report von Marsh zeigt, dass weltweit 61 % der von Marsh zwischen 2017 und 2021 beobachteten W&I-Schäden innerhalb von 18 Monaten abgewickelt wurden, wobei 22 % in weniger als sechs Monaten abgewickelt wurden. Frühere Berichte zeigen, dass die Schadenabwicklung in den Vorjahren deutlich langsamer war.

Trotz dieses positiven Trends sind einige W&I-Schadenfälle für Unternehmen nach wie vor unnötig langwierig und belastend, was hauptsächlich auf die Komplexität von W&I-Schadenfällen zurückzuführen ist. Bei grenzüberschreitenden Geschäften müssen die Parteien zum Beispiel verschiedene Rechtssysteme, Steuervorschriften und/oder Rechnungslegungsgrundsätze verstehen. Und diese in der Regel langwierigen Schadenersatzprozesse sind für die M&A- und Private-Equity-Teams von Unternehmen, die an rasche Geschäftsabschlüsse und kurze Fristen gewöhnt sind, oft frustrierend.

Letztendlich kann der Umfang von W&I-Schäden erheblich sein. Die Versicherungssummen liegen im Allgemeinen zwischen 10 % und 30 % des Unternehmenswerts. Wenn man bedenkt, dass der Unternehmenswert mehrere Milliarden Euro betragen kann, sind die Deckungssummen in der Regel beträchtlich. Wenn so viel auf dem Spiel steht, neigen die Versicherer dazu, besonders kritisch und gründlich vorzugehen, was den Prozess verlängern kann.

Sorgfältige Anspruchsbegründung entscheidend

TDer Ausgang eines Schadenfalls und die Geschwindigkeit, mit der er gelöst wird, hängen in hohem Maße von den Informationen ab, die in der Schadenmeldung, dem ersten Schritt im Schadenprozess, enthalten sind. Die Meldung sollte alle notwendigen Informationen umfassen, die es dem Versicherer ermöglichen, den Anspruch schnell und effizient zu beurteilen. Alle Meldungen sollten eine umfassende Beschreibung des Sachverhalts und der Umstände, die zur Entdeckung des (potenziellen) Schadens geführt haben, eine Angabe der mutmaßlich verletzten Garantien, Belege für die mutmaßlichen Verstöße und, wenn möglich, eine Quantifizierung des Schadens enthalten.

Die meisten Unternehmen verfügen über interne Ressourcen mit der Erfahrung und dem Wissen, um komplexe rechtliche, finanzielle oder steuerliche Fragen zu beurteilen. Ein Rechtsgutachten oder auch die Stellungnahme eines Wirtschaftsprüfers oder Steuerberaters können zusätzlich hilfreich sein, um einen Anspruch zu untermauern und die Schadenanzeige objektiver und umfassender zu gestalten.

Genauso wichtig wie der Inhalt der Schadenmeldung ist der Tonfall; in der Regel ist es am besten, bei der Abfassung der Forderungsmitteilung einen aggressiven Ansatz zu vermeiden. Unternehmen sollten bedenken, dass sie mit einem Geschäftspartner zusammenarbeiten, auf den sie ein finanzielles Risiko übertragen haben, und sich das Ergebnis verbessern kann, wenn sie von Anfang an einen kooperativen Ansatz wählen.

Zu welchem Zeitpunkt sollte ich meinen Versicherungsmakler einschalten?

Ihr Versicherungsberater oder -makler kann Sie durch das Schadenersatzverfahren begleiten und Ihnen unter anderem sagen, welche Informationen Sie einreichen sollten und welche Kanäle und Formate die Versicherer für die Kommunikation über den Schadenfall bevorzugen.

Ein wichtiger Teil des Schadenersatzprozesses ist es, den möglichen Garantieverstoß zu verstehen und zu dokumentieren, wie und wann er aufgetreten ist. Sammeln Sie alle Beweise, die Ihren Anspruch stützen, um das Risiko eines langwierigen Prozesses oder einer Ablehnung des Anspruchs zu verringern.

Interne und externe Unterlagen von Dritten - einschließlich Korrespondenz mit staatlichen Stellen wie der örtlichen Steuerbehörde oder Berichte anderer externer Sachverständiger - sollten sorgfältig geprüft werden, um festzustellen, welche Informationen Ihrem Versicherer vorzulegen sind. Dies kann dazu beitragen, den Prozess zu straffen und die Schadenregulierung zu beschleunigen.

Nach Meldung des Schadenfalls steht Ihnen Ihr Makler bei der weiteren Kommunikation mit dem Versicherer zur Seite und kann so zu einem positiven Abschluss beitragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gute Vorbereitung, eine kooperative Haltung und die frühzeitige Einschaltung des Maklers den Schadenprozess vereinfachen können. Aber auch die Due-Diligence-Prüfung im Vorfeld ist von entscheidender Bedeutung, da sie Ihnen helfen kann, das Vorgehen der Versicherer zu verstehen und herauszufinden, wie sie in der Regel auf Schäden reagieren. Es ist gut zu wissen, dass die am besten geeignete W&I-Versicherung nicht unbedingt die günstigste ist. Eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Versicherungsberater oder -makler ist wichtig, um die Unterschiede zwischen den Versicherern in Bezug auf die Art und Weise, wie sie typischerweise Schäden bearbeiten, zu verstehen, da es erhebliche Unterschiede geben kann.

Warum Marsh?

Marsh, der weltweit führende Versicherungsmakler und Risikoberater, verfügt über weitreichende Einblicke in eine Vielzahl von Schadenprozessen. Wir können daher im Schadenfall in der Kommunikation mit dem Versicherer optimal unterstützen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Unsere Spezialisten kennen die Branche und sind eng vernetzt - wir haben mehr als 1.100 W&I-Schadenfälle begleitet, die zwischen 2017 und 2021 gemeldet wurden. Mithilfe unseres Wissens und der Erfahrung, beraten wir Kunden, den für sie passenden Versicherungsschutz zu erwerben und unterstützen sie im Schadenfall.

Ursprünglich veröffentlicht im Private Equity Magazine, Frankreich, 5. Januar 2023.

https://www.pemagazine.fr/

Our people

Marnix Terpstra

Marnix Terpstra

Head of Transactional Risk Claims, Continental Europe

Marnix Terpstra heads Marsh’s transactional risk claims team for Continental Europe. Before joining Marsh in January 2022, he worked at an insurance company, specializing in warranty and indemnity claims, and as a loss adjuster.

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Priscille Hérault

Director, Private Equity and Mergers and Acquisitions, France

With over 15 years’ experience in the M&A insurance field, Priscille joined Marsh in 2021 after a decade with Tokio Marine HCC, where she was Underwriting Manager for M&A insurance for Europe and the UK as part of the Financial Lines group. Prior to working with Tokio Marine, Priscille had structured, negotiated and facilitated complex risk transfer solutions on cross-border M&A transactions while working for major international brokers in France.

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