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Unternehmen mit einer Captive haben überdurchschnittlich hohe ESG-Risiko-Ratings

Unternehmen mit Captives sind gut positioniert und können zeigen, wie ihre bestehenden Prozesse und Berichte ihre ESG-Risikominderung und Management beeinflussen.

Businessman pointing to growing graph with silver pen

Aus der Erkenntnis, dass eine Vielzahl interner und externer Stakeholder ihre Entscheidungen auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren stützen, hat Marsh daher im März 2022 sein ESG-Risiko-Rating eingeführt. Dabei handelt es sich um eine kostenlose Selbsteinschätzung, die es Kunden ermöglicht, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistung ihres Unternehmens zu messen, ihr ESG-Risikoprofil transparent zu machen und zusätzliche Optionen im Bereich des Risikomanagements und Versicherungswesens zu erhalten.

Je mehr Unternehmen das Tool genutzt haben, desto deutlicher wurden die Trends und Korrelationen der gewonnenen Erkenntnisse. Wir finden in den Daten signifikante Zusammenhänge, die für das Management und die Minderung von Risiken relevant sind. So konnten wir beispielsweise im Oktober 2022 zeigen, dass Unternehmen mit einer stärkeren sozialen Leistung eine bessere Schadenbilanz bei der Arbeitsunfallversicherung aufweisen. Jetzt sehen wir erste Anzeichen für eine positive Korrelation zwischen Unternehmen, die eine Captive besitzen und ihrem ESG-Rating - nachfolgend erläutern wir dieses Ergebnis näher 

Auswirkungen von Captives 

Viele Führungskräfte suchen nach alternativen Strategien zur Risikofinanzierung, um den höheren Versicherungsprämien, dem Kapazitätsmangel und den strengeren Bedingungen der Versicherer entgegenzuwirken, mit denen sie sich konfrontiert sehen. Eine der beliebtesten Strategien ist die Gründung einer firmeneigenen Versicherungsgesellschaft (Captive).

Als wir mit unserer Analyse begannen, gingen wir davon aus, dass Unternehmen mit Captives höhere ESG-Bewertungen haben würden, da sie in der Regel ein proaktiveres Risikomanagement betreiben. Wir gingen davon aus, dass dies insbesondere für die Komponente "G" (Governance) der Fall sein würde.

Unsere Analyse basierte auf den Daten von mehr als 100 großen Unternehmen, d. h. Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar oder mehr. Unsere Ergebnisse zeigten eine positive Korrelation: Es lässt sich feststellen, dass Unternehmen mit einer Captive im Durchschnitt ein höheres ESG-Risiko-Rating aufwiesen als Unternehmen ohne. Überrascht hat uns, dass die stärkste statistische Signifikanz bei der Komponente "S" (Social) gefunden wurde, insbesondere bei den Themen Mandanten und Kunden („Clients & Customers“) sowie Beschäftigung und Wohlstandswachstum („Employment & Wealth Generation“).

Unsere Ergebnisse werden im Folgenden ausführlicher dargestellt.

Erkenntnisse aus dem Datensatz

Abbildung 1: ESG-Dimensionen

Captive-Eigentümer weisen in den Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung höhere Medianwerte auf als Nicht-Captive-Eigentümer.

  • Höchste statistische Signifikanz beim Thema Soziales
Was dies bedeutet:

Captive-Eigentümer sind in Bezug auf die soziale Dimension von ESG mit größerer Wahrscheinlichkeit besser aufgestellt als Nicht-Captive-Eigentümer.

Unternehmen mit einer Captive erfüllen wahrscheinlicher die folgenden Kriterien der mitarbeiterbezogenen Nachhaltigkeitsstandards:

  • gerechte Lohnpolitik
  • gute Kontrolle der Leistungen im Bereich Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration
  • Gesundheit, Sicherheit und Qualifizierung der Belegschaft
  • soziales Engagement für die Gemeinschaft, in der sie tätig sind

Dies ist annahmegemäß darauf zurückzuführen, dass Captive-Eigentümer in der Regel eine stärkere Zusammenarbeit und Harmonisierung zwischen Risikomanagement und Personalwesen (HR) haben, da personalbezogene Risiken über ihre Captive oft selbst versichert sind. 

Abbildung 2: Umweltthemen

Auf der Ebene der ESG-"Themen"[1] lässt sich feststellen, dass bei den „E-Themen“ die geringsten Unterschiede in den Medianwerten zwischen konzerneigenen und konzernfremden Eigentümern bestehen.


 

[1] Das Marsh ESG-Risiko-Rating umfasst 19 "Themen", die sich eng an den Rahmen des Weltwirtschaftsforums für Nachhaltigkeit anlehnen (WEF (2020), Measuring Stakeholder Capitalism)


 

Abbildung 3: Soziale Themen | Abbildung 4: Governance-Themen

In den Bereichen Soziales und Unternehmensführung finden wir bei den meisten Themen Unterschiede im Durchschnittswert zwischen Captive-Eigentümern und anderen.

  • Die größte statistische Signifikanz wurde für die Themen "Beschäftigung und Wohlstand" und "Mandanten und Kunden" festgestellt.
  • Engere Verteilungen und starke Medianunterschiede ersichtlich bei den Governance-Themen - insbesondere bei der Unternehmensführung.                                                                                                   
Was dies bedeutet:

Im Bereich „Beschäftigung und Vermögensbildung“ ist es wahrscheinlicher, dass Captive-Eigentümer über Verfahren zur Kontrolle, Überwachung und Berichterstattung der Mitarbeitervergütung und des Umsatzes anhand von Diversitätskennzahlen verfügen und ihre Einstellungspraktiken integrativer gestalten.

  • Captive-Eigentümer legen mehr Wert auf Identifizierung und das Management ihrer Personalrisiken.

Captive-Eigentümer bewerten ihre Mandanten- und Kundenportfolios häufiger anhand von ESG-Kriterien und verfügen über Richtlinien und Verfahren zum Schutz der Kundendaten

  • Captive-Eigentümer zeigen tendenziell ein größeres Risikobewusstsein hinsichtlich ihrer nachgelagerten Wertschöpfungskette.

Captive-Eigentümer weisen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine höhere Punktzahl bei Fragen auf, die sich auf Organisation und Zuständigkeit im Unternehmen und die Einbeziehung von ESG-Themen in dieses beziehen.

  • Obwohl die statistische Signifikanz hier nicht so stark ist wie die im sozialen Thema, glauben wir, dass dies ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Captive-Eigentümer sein kann.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Unternehmen mit Captives sind gut positioniert und können zeigen, wie ihre bestehenden Prozesse und Berichte ihre ESG-Risikominderung und Management beeinflussen. Das ESG-Risiko-Rating-Tool hat sich als wertvoll erwiesen, da es unseren Kunden hilft, ihr ESG-Profil im Vergleich zu internationalen Best Practices zu bewerten und dies ihren Stakeholdern zu vermitteln.

Die mit unserem Rating-Tool gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass ESG-Performance und
-Risiko auf vielen Ebenen miteinander verbunden sind. Die Selbsteinschätzung des ESG-Risiko-Ratings liefert eine geeignete Basis, um solche Zusammenhänge zu identifizieren und Trends zu analysieren. Dies ermöglicht es Kunden, sich in einer zunehmend komplexen Risikolandschaft gut zu positionieren.

Methodik

  • Seit März 2022 ist unser ERR-Datensatz auf mehr als 500 ausgefüllten Selbstbewertungen angewachsen, sodass wir nun über einen Datensatz verfügen, um Hypothesen über Zusammenhänge zu testen.
  • Für diese Analyse wurde eine Vielzahl von Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar verwendet, die das ERR abgeschlossen haben. Diese Umsatzschwelle erfüllt in der Regel die Zulassungskriterien, die erforderlich sind, um Captives als Risikotransfermechanismus in Betracht zu ziehen.
  • Diese Unternehmen wurden mit Unternehmen abgeglichen, die über eine Captive verfügen, unabhängig davon, ob Marsh diese verwaltet oder nicht.
  • Unsere Korrelationsanalysens[2] wurden mit diesen beiden Gruppen durchgeführt.

 


 

[2] Unsere Korrelationsanalysen umfassen Tests auf Varianz, Normalverteilung und dann nicht-parametrische Tests mit p-Werten (Mann-Whitney), um zu ESG-Dimensionen mit einer statistischen Signifikanz der Korrelation von >95 % zu gelangen.


 

ESG Risk Rating

Ein Assessment, das die ESG (Environmental, Social, Governance) Performance Ihres Unternehmens misst.

Unsere Ansprechpartner

Wenn Sie mehr wissen möchten, sprechen Sie mit unserem Captive-Team.

Ellen Charnley

Ellen Charnley

President, Marsh Captive Solutions

  • United States

Holger Sommerfeld

Dr. Holger Sommerfeld

Leiter Strategic Risk Consulting & Risk Analytics