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Report

Europe Cyber Claims Report 2025

Analyse der Cyber-Schadenlage in Europa 2025 – Trends, Auswirkungen auf einzelne Branchen, veränderte Cyber-Erpressungstaktiken sowie durch NIS2 bedingte Empfehlungen zu Meldung und Vorbereitung.

Zusammenfassung

Europas Cyber-Schadenlandschaft im Jahr 2025 spiegelte überwiegend die Themen wider, die Marsh weltweit beobachtet hat: zunehmende Datenschutzrisiken, sich weiterentwickelnde Erpressungstaktiken, kaskadierende Auswirkungen über Drittanbieter und Lieferketten hinweg sowie zunehmend ausgefeilte Social-Engineering-Angriffe, die oft durch KI unterstützt werden.  Europa wies jedoch regionsspezifische Merkmale bei Cyber-Schäden auf: mehr Datenschutzthemen bei Schadenfällen, hohe Ansprüche an die Meldung von Vorfällen im regulatorischen Umfeld (wie NIS2 und DSGVO) sowie eine Verschiebung bei den betroffenen Branchen. Das produzierende Gewerbe sowie die Lebensmittel- und Getränkeindustrie wiesen die meisten Schadenmeldungen auf.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Schadenmeldungen in Europa gingen 2025 gegenüber dem Vorjahr zurück, durch weniger Großschadenereignisse und reifere Cybersicherheitsprogramme. Trotz dieses Rückgangs blieben die Schwere der Vorfälle und das Potenzial für erhebliche Einzelschäden hoch.
  • Das Thema Datenschutz dominierte europäische Cyber-Schadenfälle – im weltweiten Vergleich enthielt ein größerer Anteil der Vorfälle eine Datenschutzkomponente. Dadurch erhöhte sich das regulatorische Risiko und es steigerte den Bedarf für eine datenschutzbewusste Reaktion auf Cyber-Vorfälle.
  • Erpressung (einschließlich Ransomware, Datendiebstahl bzw. Androhung von Datenlecks) sowie Social Engineering trieben kostspielige Reaktions- und Wiederherstellungsmaßnahmen voran.
  • Drittanbieter- und Lieferkettenvorfälle bildeten verstärkt die Ursache für Cyber-Schäden.
  • Die betroffenen Branchen veränderten sich, so erhöhten sich im letzten Jahr vor allem bei dem produzierenden Gewerbe sowie bei Lebensmittel- und Getränkeunternehmen die Meldungen. Kommunikations-, Medien- und Technologieunternehmen (CMT) sowie Finanzinstitute gehören weiterhin zu den Branchen mit den meisten Meldungen.

Die Erfahrung mit Cyber-Schäden in Europa 2025 macht die Bedeutung von Vorbereitung, funktionsübergreifender Koordination und einer angemessenen Gestaltung des Versicherungsprogramms deutlich. Unternehmen, die diese Strategien verfolgen, sind besser aufgestellt, um zukünftige Cyber-Ereignisse und neue Risiken resilienter zu bewältigen und die Auswirkungen von Schäden zu reduzieren.  

Regionale und länderspezifische Schadenmeldungen gehen zurück

Europa verzeichnete 2025 im Vergleich zu 2024 einen deutlichen Rückgang bei den Schadenmeldungen. Dies spiegelt den globalen Trend der vergangenen Jahre wider. Hierzu trug die Reduktion von Großschadenereignissen, wie dem Ausfall des CrowdStrike-Software-Updates im Jahr 2024, sowie Verbesserungen der Cyber-Abwehrmaßnahmen bei.

01 | Rückläufige Zahl von Schadenmeldungen in Europa im Jahr 2025

Deutschland bildete eine Ausnahme vom regionalen Abwärtstrend, denn die Meldungen nahmen hier im Jahresvergleich um 22 % zu. Wir führen den Anstieg auf eine Fokussierung der Angreifergruppen auf deutsche Unternehmen sowie eine veränderte Meldepraxis bei Schadenfällen (Anstieg vorsorglicher Meldungen im Rahmen der Police) zurück.

02 | Deutschland übertraf die Meldungen aller anderen Länder

Branchenzuordnung ist dynamisch

  1. Die Schäden in dem produzierenden Gewerbe stiegen 2025 erneut an und erhöhen so ihren Anteil an europäischen Meldungen (etwa 20%). Die zunehmende IT/OT-Komplexität, Schwachstellen in Kontrollen und das Potenzial für Betriebsunterbrechungen machen diese Industrie zu einem attraktiven Ziel für Angreifer. So steigen sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere von Schäden.
  2. Die Schadenmeldungen im Lebensmittel- und Getränkesektor stiegen 2025 gegenüber eines niedrigen Werts 2024 stark an, da die Branche vor ähnlichen Herausforderungen in der Cyber-Sicherheit steht wie die produzierende Industrie. 
  3. Kommunikations-, Medien- und Technologieunternehmen (CMT) machen weiterhin einen erheblichen Anteil der Meldungen aus (~17 %). CMT-Unternehmen sind attraktive Ziele und können als Multiplikatoren wirken – ein einzelner Vorfall bei einem Anbieter kann auf mehrere Kunden übergreifen.
  4. Finanzinstitute (FIs) meldeten weniger Schäden, was auf ein hohes und weiter zunehmendes Niveau der Cybersicherheitsreife hinweist. Da FIs in der Regel höhere Selbstbehalte haben, kann sich dies auch auf das Meldeverhalten auswirken. Gleichzeitig bleibt der Anteil an Vorfällen mit Drittbezug höher: In 20 % der Meldungen war ein Dritter involviert.

03 | Die 10 Branchen mit den meisten Schadenfällen in Europa

Datenschutzverletzungen dominieren bei zunehmender Schadenschwere 

  1. Datenschutzverletzungen hatten in Europa einen höheren Anteil (73 %) an Meldungen als der globale Durchschnitt. Diese Vorfälle gehen über klassische Datenverletzungen hinaus und umfassen Bereiche wie Website-Tracking, Einwilligungsmanagement und Governance-Fehler.
  2. Erpressungs- und Ransomware-Vorfälle (15 % der Meldungen) bleiben ein wesentlicher Schadentreiber. Das moderne Erpressungsmodell verbindet häufig Verschlüsselungsdrohungen, Datendiebstahl und Lösegeldforderungen gegen die Veröffentlichung gestohlener Daten mit operativen Störungen – und erhöht damit sowohl Reaktions- und Haftungskosten als auch Betriebsunterbrechungsschäden.
  3. Social Engineering und Business Email Compromise (BEC) treten häufig auf und werden immer wirkungsvoller, unter anderem durch KI-gestützte Zielauswahl und Täuschung. Mit BEC in Verbindung stehende Betrugsfälle bei Überweisungen – obwohl zahlenmäßig geringer (9 % der Meldungen) – führen oft zu sehr hohen Einzelschäden.
  4. Sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere dieser Vorfälle zeigen, wie wichtig es ist, das Bewusstsein der Mitarbeitenden und Verantwortlichen im Unternehmen für solche Taktiken von Cyberkriminellen zu schärfen.

04 | Meldungen zu Datenschutzverletzungen sind in Europa deutlich gestiegen 

Abhängigkeit von Drittanbietern und komplexe Konzernstrukturen erhöhen die Anfälligkeit

  • Drittanbieter und Lieferkettenpartner haben verstärkt Einfluss auf Häufigkeit und Schwere europäischer Schadenfälle.
  • Vorfälle bei digitalen Dienstleistern, wie HR-Plattformen, Managed Service Providern, Cloud-/SaaS-Anbietern oder Zahlungsdienstleistern, können unternehmensübergreifende Betriebsstörungen verursachen und eine komplexe Reaktion auf den Vorfall sowie für die Wiederherstellung erfordern.
  • 2025 stand ein bedeutender Anteil (14 %) der europäischen Meldungen in Zusammenhang mit Drittanbietern, und wir erwarten, dass dieser Anteil steigen wird.
  • Für Unternehmen zeigt dies, wie wichtig eine Analyse der Lieferantenkonzentration, klare vertragliche Regelungen zu Incident-Verantwortlichkeiten und für mehrere Parteien koordinierte Incident-Playbooks für mehrere Parteien sind. 

Datenschutz, regulatorische Maßnahmen und grenzüberschreitende Komplexität

  • Das Thema Datenschutzvorfall ist in Europa stärker vertreten als im globalen Umfeld. In Europa enthielten 73 % der Meldungen ein Datenschutzelement. Das regulatorische Umfeld (DSGVO und sich weiterentwickelnde EU-Vorschriften) erhöht den Bedarf an datenschutzorientierter Vorbereitung, Incident Response und grenzüberschreitender Koordination.
  • Regulatorische Maßnahmen spielten nur bei wenigen Meldungen eine Rolle (etwa 4,5 %). Allerdings kann das Risiko einer regulatorischen Prüfung und von Rechtsstreitigkeiten ein bedeutender Treiber für Kosten und Reputationsschäden sein.
  • Multinationale Unternehmen müssen in verschiedenen Ländern überlappende und teils voneinander abweichende Melde- und Vollzugsvorschriften beachten.

NIS2 und Erwartungen an die Meldung von Vorfällen 

NIS2 bringt strengere Anforderungen an die Meldung von Sicherheitsvorfällen sowie an die Widerstandsfähigkeit für als wesentlich oder wichtig eingestufte Unternehmen mit sich. Zu den Kernelementen gehören:

  • Verpflichtende mehrstufige Meldung an nationale CSIRTs/zuständige Behörden - Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden; detaillierte Meldung innerhalb von 72 Stunden; und ein Abschlussbericht innerhalb eines Monats.
  • Strengere Anforderungen an dokumentierte Incident-Response-Pläne und umsetzbare Abwehrmaßnahmen.
  • Ein erweiterter Aufsichts- und Durchsetzungsrahmen in den Mitgliedstaaten erhöht die operative Komplexität für grenzüberschreitende Konzernunternehmen.

Unternehmen sollten sicherstellen, dass ihre Incident-Response-Playbooks die NIS2-Vorgaben für Meldefristen und Meldeinhalte abbilden und Verantwortlichkeiten für Meldungen festlegen, zudem sollten sie regelmäßig eine grenzüberschreitende Koordination üben.

Cyber-Schäden: Beobachtungen und empfohlene Maßnahmen

  1. Überprüfen Sie Limits und konsolidierte Risiken erneut – eine kleine Anzahl von großen Vorfällen in Europa 2025 führte dazu, dass Versicherungsprogramme ausgeschöpft wurden oder an die vereinbarten Deckungssummen herankamen. Prüfen Sie die Angemessenheit der Limits und Optionen wie Wiederauffüllungen, sofern betrieblich relevant, da Versicherer und Facilities (z.B. Marsh Cyber ECHO) mit Wiederauffüllungslösungen reagieren.
  2. Priorisieren Sie Datenschutzkontrollen und ein Datenschutzbewusstsein – verbessern Sie Datenregister, Beachtung von Aufbewahrungsfristen, Vorgaben zur Einwilligung und datenschutzgerechte Incident-Playbooks.
  3. Stellen Sie sicher, dass robuste Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten außerhalb der regulären Kanäle vorhanden sind – Etablieren Sie resiliente Kanäle wie Marsh Central, die weltweit rund um die Uhr Zugang zu wichtigen Informationen und Dokumenten ermöglichen und den Teams sichere Kommunikation und Zusammenarbeit erlauben, wenn zentrale Systeme nicht verfügbar oder möglicherweise kompromittiert werden.
  4. Testen Sie die funktionsübergreifende Reaktion auf Vorfälle durch Krisenstabsübungen und stellen Sie sicher, dass die Trigger für Meldungen beim Versicherer klar definiert sind – gut eingespielte Response-Teams senken deutlich Folgekosten und Haftungsrisiken.
  5. Drittanbieter-Risikomanagement stärken – Abhängigkeiten von Dienstleistern abbilden, Szenarien eines Vorfalls bei Dienstleistern testen und vertragliche Pflichten bei Vorfällen abstimmen.
  6. Verstärken Sie die Finanzkontrollen und Auszahlungsüberprüfungsprozesse, um das Risiko von BEC- und Betrugsüberweisungen zu verringern, etwa durch Verifizierung über alternative Kanäle und klare Freigabeprozesse.
  7. Priorisieren Sie die Segmentierung von IT und OT, Resilienz-Tests sowie Kontinuitätspläne für Lieferanten – insbesondere in Branchen wie der produzierenden oder Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in denen Altsysteme und OT-Risiken eine Herausforderung darstellen.

Das Cyber-Schadenbild in Europa aus 2025 spiegelt die zentralen globalen Treiber wider – Datenschutz, Erpressung, Abhängigkeit von Dritten und ausgefeiltes Social Engineering – mit einem regionalen Schwerpunkt auf Datenschutz und regulatorischer Meldepflicht. Obwohl die Anzahl der Meldungen zurückging, blieb die Schwere der Schäden ein Thema. 

Große Cyber-Vorfälle im Jahr 2025 heben die Bedeutung von Vorbereitung, funktionsübergreifender Koordination und einer passenden Gestaltung von Versicherungsprogrammen hervor, die auf neu entstehende Schadentypen abgestimmt sind. Durch solche Maßnahmen können Unternehmen Cyber-Vorfälle besser bewältigen und die Auswirkungen von Schäden verringern.  

Fazit

Das Cyber-Schadenbild in Europa aus 2025 spiegelt die zentralen globalen Treiber wider – Datenschutz, Erpressung, Abhängigkeit von Dritten und ausgefeilte Social-Engineering-Angriffe – wobei der regionale Schwerpunkt auf Datenschutz und regulatorischer Meldepflicht liegt. Während die Anzahl der Meldungen zurückging, blieb die Schadensschwere ein Thema, und eine kleine Zahl von Vorfällen mit hoher Auswirkung zeigt, wie wichtig die bereichsübergreifende Koordination und ein Versicherungsprogramm sind, das auf konsolidierte Risiken und neue Schadentypen abgestimmt ist.

Für weitere Informationen zu den Cyber-Versicherungslösungen von Marsh und dazu, wie wir Sie auf Ihrem Weg zur Cyber-Resilienz unterstützen können, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf oder wenden Sie sich an Ihren Marsh Berater

Kontakt

Thomas Droberg

Thomas Droberg

Head of CYRIS

  • Germany

Gamze Konyar

Europe Head of Cyber

  • Germany

Florian Sättler

Europe Cyber Incident Management Leader & Cyber Claims Co-Leader

  • Germany

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