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Leasing: Unterschätzter Hebel für mehr Liquidität

Ein besseres Verständnis von Leasing könnte der Schlüssel sein, um mehr Liquidität freizusetzen und Wachstum zu fördern.

Wussten Sie, dass die Leasingbranche bis 2030 voraussichtlich über 381 Milliarden US-Dollar erreichen wird? Trotz ihrer wachsenden Bedeutung wird ihr strategisches Potenzial von vielen Unternehmen und Banken häufig übersehen

Ein besseres Verständnis von Leasing könnte der Schlüssel sein, um mehr Liquidität freizusetzen und Wachstum zu fördern. Die Komplexität der Leasingbranche – etwa hinsichtlich der Bilanzierung von Leasingverhältnissen und der Versicherbarkeit – führt bei manchen Unternehmen zu Zurückhaltung. Eine klare Durchdringung dieser Zusammenhänge kann Firmen jedoch dabei helfen, zusätzliche Liquidität zu erschließen und ihr Wachstum zu steigern. Unternehmen, die ihre Risiken erfolgreich steuern, können ihr Angebot erweitern und einen produktiven, wachsenden Markt erschließen.

Die Grundlagen des Leasings

Leasing – das bedeutet, Vermögensgüter mit der Option auf einen späteren Kauf zu mieten – existiert bereits seit der Bronzezeit, als die Sumerer landwirtschaftliche Werkzeuge und Land verpachteten. Seitdem hat sich diese Praxis weiterentwickelt; heute kann alles vom Sportwagen bis hin zu hochmoderner IT-Ausrüstung geleast werden, wobei immer mehr Unternehmen diesen Finanzierungsservice anbieten.

Im Kern handelt es sich beim Leasing um eine finanzielle Vereinbarung, bei dem eine Partei, der Leasinggeber dem Leasingnehmer erlaubt, ein Vermögensgut (z. B. Maschinen, Ausrüstung oder Transportmittel) für einen festgelegten Zeitraum gegen regelmäßige Zahlungen zu nutzen. Im Gegensatz zum Kauf erhält der Leasingnehmer die (temporäre) Nutzungsüberlassung des Vermögensguts, häufig mit der Option verbunden, dieses am Ende der Laufzeit zu einem reduzierten Preis zu erwerben, während für die Dauer des Leasings das rechtliche Eigentum beim Leasinggeber verbleibt.

Leasing bietet Unternehmen erhebliche Vorteile, da es ihnen erlaubt, ihre Geschäftstätigkeiten zu skalieren und teure Ausrüstung mit lediglich geringerem Liquiditätsverlust zu nutzen. Besonders verbreitet ist Leasing bei Unternehmen, die Transportmittel wie Lkw, Schiffe oder Flugzeugtriebwerke benötigen, aber auch wenn komplexe Maschinen wie landwirtschaftliche Geräte oder IT-Ausrüstung benötigt werden.

Der direkte Kauf von Vermögensgütern erfordert hingegen, dass Unternehmen die Mittel für Wartung und Abschreibungen bereitstellen, was Kapital langfristig binden kann. Leasing verbessert dagegen die Liquidität und schont das Kapital, ohne langfristige finanzielle Verpflichtungen eingehen zu müssen.

Leasingarten: Finanzierungsleasing vs. Operating-Leasing

Verschiedene Leasingarten bringen unterschiedliche Kreditrisiken mit sich. Beim Finanzierungsleasing geht das wirtschaftliche Eigentum in der Regel auf den Leasingnehmer über, der damit faktisch den Kauf des Vermögensguts finanziert. In diesem Fall fungiert die Bank oder der Leasinggeber als Finanzierer. Solche Verträge sind meist nicht kündbar und decken den größten Teil der Nutzungsdauer des Vermögensguts ab.

Dagegen verbleibt beim Operating-Leasing das wirtschaftliche Eigentum beim Leasinggeber, und die Laufzeit ist in der Regel kürzer. Dies verstärkt bestimmte Risiken wie vorzeitige Vertragsbeendigung, Schwankungen beim Restwert sowie mögliche Zahlungsausfälle. Zudem können sich die Bilanzierungsmethoden für geleaste Vermögensgüter unterscheiden, was die Vorteile des Leasings potenziell mindern kann.

Aus Sicht einer Bank oder des Leasinggebers dienen die geleasten Güter häufig als Sicherheit und verringern so das Kreditrisiko. Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Kredit nicht bedient, kann der Finanzierer die Güter zurücknehmen, weiterverkaufen oder erneut verleasen, um Verluste abzumildern.

Leasing im Bankrisikomanagement

Leasing bietet Unternehmen zwar Flexibilität, stellt Banken jedoch insbesondere bei der Steuerung von Risiko und Kapital vor besondere Herausforderungen und Chancen.

Obwohl geleaste Güter ähnlich wie Sicherheiten wirken und somit das Kreditrisiko mindern, schränkt etwa die EU-Verordnung über die Eigenkapitalanforderungen (CRR) die Anrechnung von Sicherheiten in den Bilanzen der Banken ein. Banken, die den standardisierten Ansatz verfolgen, dürfen geleaste Vermögensgüter in der Regel nicht als Sicherheiten im Hinblick auf Kapitalanforderungen anrechnen. Banken, die hingegen den Internal Ratings-Based (IRB)-Ansatz der CRR anwenden, können einen Teil des Werts des geleasten Vermögensguts bei der Kreditrisikobewertung berücksichtigen.

Selbst dann wird der anerkannte Wert oft stark reduziert (unter der CRR etwa um 40 %), um Bewertungsunsicherheiten sowie Markt- und Liquiditätsrisiken zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass nur ein Bruchteil des tatsächlichen Werts des geleasten Vermögenswerts in die Kapitalberechnung einfließt. Dieser konservative Ansatz dient der Stabilität des Finanzsystems, indem eine Überschätzung der Sicherheitenwerte vermieden wird.

Banken können den Wert der Sicherheiten zudem indirekt über Kreditversicherungen erfassen, die die Rückzahlungsströme absichern. Der Einsatz von Kreditversicherungen als anerkannte Garantie bei Leasingengagements unterstützt Banken dabei, ihr Kapital zu optimieren und gleichzeitig das Risiko von Zahlungsausfällen zu steuern.

Dieser Ansatz kann mehreren Beteiligten Vorteile bringen:

  • Banken können ihre Exponierung verringern, indem sie das Ausfallrisiko an Versicherer übertragen und so versuchen, die Rentabilität zu wahren, selbst wenn Leasingnehmer ausfallen.
  • Unternehmen gewinnen mehr Sicherheit, um größere Risiken einzugehen oder neue Märkte zu erschließen, da ihr Cashflow geschützt ist.
  • Kreditversicherer können ihre Risikopools und Portfolios diversifizieren.

Die Stärke der Kreditversicherung für Leasing

Leasinggesellschaften lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: solche, die Eigentum an denen von ihnen geleasten Vermögenswerte besitzen, und solche, die dies nicht tun. Unternehmen, die nicht Eigentümer der Güter sind, bieten Finanzierungen ohne Rückgriff an. Unternehmen, die Eigentümer sind — zum Beispiel Autoleasingfirmen mit eigenen Flotten — können Kreditversicherungen nutzen, um sich gegen Zahlungsausfälle abzusichern und diese als anerkannte Garantie für Kredite einzusetzen.

Marsh Risk, ein weltweit führender Anbieter von Kreditversicherungslösungen, unterstützt Leasingunternehmen dabei, sich gegen Zahlungsausfälle zu schützen. So nutzte beispielsweise ein Metall-Leasingunternehmen, das Rohstoffe an Fertigungs- und Pharmafirmen lieferte, eine von Marsh Risk vermittelte Versicherung, die bis zu 90 % der Kreditrisiken abdeckte. Dies ermöglichte es dem Unternehmen, niedrigere Konditionen anzubieten und seine Wettbewerbsposition zu stärken.

Kreditversicherung und Leasing sind vielleicht weniger bekannte Bestandteile des Welthandels, spielen jedoch eine auch entscheidende Rolle für die Weltwirtschaft. Ein fundiertes Verständnis der regulatorischen und versicherungstechnischen Aspekte des Leasings kann Unternehmen helfen, Kosten zu senken und in einer sich ständig wandelnden und zunehmend wettbewerbsintensiven Welt erfolgreich zu sein.


Dieser Artikel wurde ursprünglich bei Trade Finance Global (www.tradefinanceglobal.com) am 23. September 2025 veröffentlicht.

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